Aus der Soziologie

DFG bewilligt Forschungsgruppe ›Multipler Wettbewerb im Hochschulsystem‹

Mit ihrem gemeinsamen Antrag, koordiniert vom INCHER-Kassel, sind elf Forschende aus acht Universitäten bei der DFG erfolgreich gewesen. Ausgehend von der engen Kooperation der INCHER-Professoren Guido Bünstorf (Volkswirtschaftslehre) und Georg Krücken (Soziologie) werden acht Teilprojekte zum Thema durchgeführt.

Die von der DFG geförderte und ortsverteilte Forschungsgruppe will zu einem umfassenden Verständnis des multiplen Wettbewerbs im Hochschulsystem beitragen. Als multipel wird der Wettbewerb im Hochschulsystem begriffen, weil die daran Beteiligten gleichzeitig in verschiedene, verschachtelte und sich gegenseitig beeinflussende Wettbewerbe eingebunden sind, in denen sie um unterschiedliche knappe Güter konkurrieren. Durch oft gezielt initiierte Wettbewerbe, wie z.B. die Exzellenzinitiative, die mit anderen Wettbewerbsprozessen zusammenwirken, entsteht ein immer komplexeres Geflecht von Anforderungen an die Beteiligten, das sich erheblich auf die betroffenen Personen und die Institutionen auswirkt.

Die Arbeit der Forschungsgruppe wird durch drei gemeinsame Forschungsfragen geleitet: Wie positionieren sich Akteure im multiplen Wettbewerb? Welche interne und externe Dynamik entfaltet der multiple Wettbewerb? Welche Folgewirkungen hat der multiple Wettbewerb auf der Handlungs- und auf der Systemebene? Von der intensiven Zusammenarbeit zwischen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften versprechen sich die Antragsstellenden ein vertieftes Verständnis interdependenter Wettbewerbsdynamiken im Hochschulsystem. Dieses ist auch von grundlegender wissenschaftlicher Bedeutung für die Analyse anderer Gesellschaftsbereiche ist, in denen ebenfalls kein übergreifendes Bewertungs- und Preissystem existiert. Darüber hinaus werden relevante Ergebnisse für die Hochschulpolitik und -förderung erwartet.

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe besteht aus elf Antragstellerinnen und Antragstellern aus der Soziologie, der Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre. An acht Universitäten werden acht Teilprojekte zum Thema durchgeführt.

Die einzelnen Projekte sind:

Multipler Wettbewerb in Forschung und Lehre: Organisationale Wettbewerbe und ihre Folgen bei der Exzellenzinitiative und dem Qualitätspakt Lehre (geleitet von Georg Krücken INCHER/Universität Kassel; er ist auch Sprecher der Forschungsgruppe);

(Autonome) Hochschulen im dynamischen Wettbewerb (geleitet von Uwe Cantner (Friedrich-Schiller-Universität Jena) und Thomas Grebel (TU llmenau));

Wettbewerbliche Steuerung und Konfigurationen der Hochschulgovernance. Eine qualitative Metastudie (geleitet von Jetta Frost (Universität Hamburg));

Fächer im Wettbewerb (geleitet von Frank Meier und Uwe Schimank, Uwe (Universität Bremen));

Der Einfluss kompetitiver Forschungsfinanzierung auf die Wissensproduktion in Forschungsgruppen (geleitet von Hanna Hottenrott  (Technische Universität München));

Wie wirken Wettbewerbsorientierungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und die Wettbewerbspositionierung von Universitäten zusammen? (geleitet von Anna Kosmützky (Leibniz Center for Science and Society, Universität Hannover));

Wie beeinflusst der Wettbewerb der Hochschulen den Arbeitsmarkt für Promovierte? (geleitet von Guido Bünstorf (INCHER/Universität Kassel)

Wie entstehen wettbewerbsfähige Akteure? Sozialisationsprozesse in der Post-doc-Phase (geleitet von Julian Hamann (LCSS/Universität Hannover) und Kathia Serrano Velarde (Universität Heidelberg)

Sprecher der Forschungsgruppe ist Prof. Dr. Georg Krücken, er ist Geschäftsführender Direktor des INCHER-Kassel (Universität Kassel). Er ist Sprecher des internationalen Forschungsnetzwerkes ›New Institutionalism‹ und Vorsitzender der Gesellschaft für Hochschulforschung e.V. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen wurde er 2016 zum Mitglied der Academia Europaea gewählt.