Aus der Soziologie

Prof. Dr. Steffen Mau ist Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträger 2021

Der Leibniz-Preis für Steffen Mau würdigt dessen innovative soziologische Analysen der vielfältigen gesellschaftlichen Transformationen, die unsere Gegenwart kennzeichnen. In seinen Forschungsarbeiten widmete Mau sich Untersuchungen zur Dynamik sozialer Ungleichheiten und gesellschaftlicher Polarisierung ebenso wie vergleichenden Wohlfahrtsstaatsanalysen oder Prozessen der Transnationalisierung und Europäisierung sozialer Lebenswelten. Mau kombinierte dabei stets makrosoziologische Strukturanalysen mit einer dichten Beschreibung des individuellen und sozialen Lebens auf einer Mikroebene. So machte er in seinem Buch ›Das metrische Wir‹ (2017) die Dynamiken sichtbar, die mit der Digitalisierung einhergehen, und beschrieb, wie sie sich zu alten und neuen Ungleichheiten verhalten. In seiner jüngsten Monografie ›Lütten Klein‹ (2019) schaut er mit genauem soziologischen Blick auf das Rostocker Neubauviertel, in dem er selbst aufwuchs, und zeigt auf, wie gravierend die Veränderungen in der ostdeutschen Gesellschaft nach 1989 waren.

Nach einer Ausbildung zum Elektronikfacharbeiter beim VEB Schiffselektronik Rostock studierte Steffen Mau Soziologie und Politikwissenschaften an der FU Berlin und wurde 2001 am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz promoviert. Seit 2005 war er zunächst Professor für politische Soziologie in Bremen, 2015 folgte er einem Ruf an die Humboldt-Universität zu Berlin. Gastprofessuren und Fellowships führten ihn unter anderem an die Sciences Po in Paris und nach Harvard. 2012 bis 2018 war er Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats.