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Grenzüberschreitende Anlaufstelle für qualitative Sozialforschung

Mit der Gründung des Binationalen Zentrums für Qualitative Methoden bündeln die Universität Konstanz und die Pädagogische Hochschule Thurgau ihre methodologischen Expertisen in der qualitativen Sozialforschung

Die Universität Konstanz und die Pädagogische Hochschule Thurgau (PHTG, Schweiz) werden künftig noch enger zusammenarbeiten. Mit 1. April 2021 hat das Binationale Zentrum für Qualitative Methoden (BZQM) seine Arbeit aufgenommen. Es bietet der qualitativen Sozialforschung an beiden Einrichtungen eine infrastrukturelle Plattform, indem es methodisches Wissen vermittelt und koordiniert, eine technische Infrastruktur aufbaut und für Austausch unter den Forschenden an der Universität Konstanz und der PHTG sowie der Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) sorgt. Finanziert wird das Zentrum sowohl von der Universität als auch von der Pädagogischen Hochschule in der Schweizer Grenzstadt Kreuzlingen.

Die qualitativen Methoden der empirischen Kultur- und Sozialforschung umfassen eine große Breite an unterschiedlichen Zugängen zu sozialen und kulturellen Phänomenen, etwa zur analytischen Rekonstruktion sozialer Prozesse, zur umfassenden Untersuchung der Logik von Einzelfällen oder zur Erforschung der Sinnwelten von Menschen durch teilnehmende Beobachtung. An der Universität Konstanz reichen die beteiligten Disziplinen von der Politik- und Verwaltungswissenschaft, Rechtswissenschaft, Philosophie über die Soziologie, Ethnologie, Geschichtswissenschaft (einschließlich Fachdidaktik), Sportwissenschaft und empirische Bildungsforschung bis hin zur Informatik und Informationswissenschaft sowie Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften. An der PHTG sind es Bereiche wie Bildungssoziologie, Pädagogik, Fachdidaktiken, Unterrichtsforschung, Medienpädagogik, Studien zur frühen Kindheit und zur Schulentwicklung, die mit qualitativen Methoden forschen. An der HTWG Konstanz, die ebenfalls Mitglied des Zentrums ist, ist vor allem das Fach Kommunikationsdesign an verstärktem Austausch interessiert.

Als infrastrukturelle Plattform ist das Zentrum grenzüberschreitende Anlaufstelle für alle Forschungsprojekte, die qualitative Methoden nutzen. Es sondiert die methodischen Weiterentwicklungspotenziale und stellt fundierte Methodenberatung zur Verfügung. ›Qualitative Methoden und Methodologien entwickeln sich laufend weiter. Wir möchten mit einer Vielzahl unterschiedlicher Ansätze allen Interessierten Anregungspotenzial anbieten und Diskussionen anstoßen‹, sagt Dr. Frank Oberzaucher von der Universität Konstanz. Als Geschäftsführer soll er dem designierten Direktorium des Zentrums angehören, das die Schwerpunkte und Aktivitäten des BZQM bestimmt. Für die Leitung ist der Soziologe Prof. Dr. Christian Meyer von der Universität Konstanz vorgesehen. Ko-Direktorenstellen sollen auf Seiten der PHTG der Bildungsforscher Prof. Dr. Achim Brosziewski und auf Seiten der Universität Konstanz die Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Isabell Otto einnehmen.

Neben der Beratungstätigkeit für antragsstellende Personen neuer Forschungsvorhaben, Mitarbeitende in bestehenden Forschungsprojekten, Doktorierende und Postdocs wird auch Infrastruktur wie Videokameras und Software-Programme sowie ein System zur nachhaltigen Archivierung und Dokumentation von Forschungsdaten aufgebaut. Bereits jetzt steht ein Medienlabor zur Verfügung, das entsprechend dem neuen Bedarf ausgebaut werden wird. Darüber hinaus sind Workshops, Summer Schools sowie ein Publikationsformat geplant.