Call for Papers

Corona und die ›anderen‹ Wissenschaften: Interdisziplinäre Lehren aus der Pandemie

Deadline: 15. Februar 2021

Das neuartige Corona-Virus hat der Wissenschaft, dem Wissenschaftsbetrieb und den agierenden Wissenschaftler_innen im vergangenen Jahr neue ungeahnte Aufmerksamkeit verschafft. Insbesondere Forschende aus der Virologie, Medizin und Pharmazie haben als Expert_innen die öffentliche Wahrnehmung der Wissenschaften stark geprägt. Dabei wurde deutlich, wie sehr die Bewältigung der Pandemie und ihrer Folgen von wissenschaftlicher Erkenntnis abhängt -- sei es in Form möglichst verlässlicher Prognosen von Infektionshäufungen, der Erforschung wirksamer Therapien oder der Entwicklung eines Impfstoffs.Durch diese Erkenntnisse ist ein Ende der Dauerkrise zumindest absehbar geworden.

Doch die Bekämpfung der Corona-Pandemie und die Bewältigung der vielfältigen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Kollateralschäden ist trotz aller Hoffnung bei Weitem keine reine Erfolgsgeschichte -- vor allem aus dem Blickwinkel der vielen ›anderen‹Wissenschaften, die weniger im Rampenlicht standen: So dürften Informatiker_innen fragen, ob die Corona-Warn-App als erfolgreich bezeichnet werden kann; Medienexpert_innen würden wohl hinterfragen, ob der Modus ständig aneinandergereihter Pressekonferenzen eine effiziente Form der Krisenkommunikation darstellt; Kommunikationswissenschaftler_innen mögen bestimmte Rituale der Katastrophen-Berichterstattung in Presse und Rundfunk kritisch sehen; Bildungswissenschaftler_innen dürften sich wiederum fragen, weshalb es trotz der sich wiederholenden Schulschließungen noch immer keine umfassenden digitalen Bildungskonzepte gibt; Psycholog_innen werden die Bedingungen für Akzeptanz (und Ablehnung) der pandemischen Gegenmaßnahmen eruiert haben; Soziolog_innen dürften zu den Auswirkungen von sozialer Isolation und zunehmend virtueller Kommunikation geforscht haben; Mathematiker_innen haben sich vielleicht über bestimmte, geradezu sakrosankte Normzahlen gewundert sowie adäquatere Vorhersagemodelleentwickelt; Museolog_innen dürften neuartige Konzepte entwickelt haben, wie Ausstellungen nachhaltig mithilfe digitaler Innovationen vermittelt werden können; und KI-Forscher_innen hatten sicherlich Ideen, wie man in zahlreichen Bereichen Mehrwerte durch den Einsatz von intelligenten
Algorithmen schaffen kann...

Die Pandemie hat die gesamte Welt weitestgehend unvorbereitet getroffen, Entscheidungsträger_innen auf allen gesellschaftlichen Ebenen vor enorme Herausforderungen gestellt und ihnen schwerwiegende Entscheidungen unter weitestgehend unbekannten Voraussetzungen abverlangt. Gerade deswegen braucht es ein stärkeres Hinhören, was die ›anderen‹ Wissenschaften, denen weniger Aufmerksamkeit zukam als etwa der Virologie, Epidemiologie, Pneumologie und Medizin, zur Bewältigung solcher Krisen und der noch bevorstehenden Herausforderungen beizutragen haben: Was können wir aus den vielfältigen Perspektiven der vielen ›anderen‹ Wissenschaften zur Bewältigung der Corona-Krise und zukünftiger Pandemien lernen? Welche Erkenntnisse der vielen ›anderen‹ Fächer wurden in den zurückliegenden Monaten nicht ausreichend wahrgenommen oder beherzigt? Welchen gesamtgesellschaftlichen Beitrag können diese Fächer zur Krisenbewältigung leisten und welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?

Für eine Beitragssammlung mit dem Arbeitstitel ›Corona und die ›anderen‹ Wissenschaften: Interdisziplinäre Lehren aus der Pandemie‹ suchen wir nach prägnanten, niedrigschwelligen und praxisorientierten Aufsätzen, die die Erkenntnisse aus der und gegen die Corona-Krise in Hinblick auf die noch bevorstehenden Herausforderungen sowie die Risiken zukünftiger Pandemien aus der Perspektive einer bestimmten Disziplin herausarbeiten, möglichst explizite Handlungsempfehlungen für Verantwortungsträger_innen in wichtigen gesellschaftlichen Positionen entwickeln und die konkreten Positionen ihres Fachs angesichts der Fehlentwicklungen des letzten Jahres benennen. Ein besonderer Fokus soll auf den (ungenutzten) Chancen und möglichen entgegenstehenden Risiken und Herausforderungen digitaler Innovationen und Kommunikationstechniken (z.B. in Bezug auf kollaboratives Arbeit und virtuelle Lehre genauso wie bei der Kontaktnachverfolgung und Eindämmung) liegen. Die fertigen Beiträge sollen auch für ein interessiertes aber fachfremdes Publikum leicht verständlich sein und möglichst den allgemeinen Erkenntnisstand des jeweiligen Fachs reflektieren. Damit möchten wir unseren Beitrag leisten, die Folgen dieser wie auch der noch kommenden Pandemien durch die Sichtbarmachung der vielfältigen akademischen Erkenntnis, die die zahlreichen Fächer der Wissenschaftslandschaft leisten, abzumildern.

*Wir bitten bis zum 15. Februar 2021 um Vorschläge für Aufsätze* zu unserer Beitragssammlung, die noch in diesem Jahr voraussichtlich bei Springer Vieweg in der Reihe ›ars digitalis‹ erscheinen soll. Abstracts sollten höchstens 2.000 Zeichen umfassen, eine distinkte Disziplin benennen, aus derer Perspektive der Beitrag verfasst wird, und besonderen Wert auf die gesellschaftliche Nutzbarkeit der erarbeiteten Erkenntnisse legen. Über die Annahme des Beitragsvorschlags wird von den Herausgebern entschieden. *Bitte senden Sie Ihr Abstract in Form einer anonymen PDF (ohne personenbezogene Angaben) an abstracts(at)denis-newiak.de und machen Sie bitte Ihre persönlichen Angaben einschließlich Dienstanschrift und Rufnummer lediglich im E-Mail-Text (nicht im Anhang).* 

Sie erhalten von uns Mitteilung über Annahme Ihres Beitragsvorschlags bis zum 15. März. Wir bitten dann um Übersendung des fertigen Beitrags bis zum 15. Mai (zwischen 22.000 und 28.000 Zeichen inklusive Leerzeichen, exkl. Executive Summary zwischen 2.000 und 4.000 Zeichen und CV). Ihre dann eingereichten Beiträge werden anonym im Peer-Review-Verfahren begutachtet und Sie erhalten Rückmeldung bis zum 1. Juli. Wir bitten dann um Zusendung Ihres ggf. überarbeiteten Papers bis zum 15. August. Die Publikation soll noch im Dezember 2021 erfolgen. Wir freuen uns auf Ihre Einreichungen.

https://www.b-tu.de/fg-medienwissenschaft 

Zu den Herausgebern

Peter Klimczak (Dr. phil. et Dr. rer. nat. habil.) lehrt als Privatdozent Medien-, Kultur- und Technikwissenschaften an der Brandenburgischen Technischen Universität und forscht zu digitalen/sozialen Medien, kognitiven Systemen sowie dem Einsatz künstlicher Sprachen in den Medien- und Kulturwissenschaften.

Denis Newiak (M.A.) ist Doktorand an der Brandenburgischen Technischen Universität, lehrt Medien-, Film- und Fernsehtheorie sowie Kommunikations- und Organisationsmanagement und forscht zu Ästhetiken und Narrativen der Einsamkeit in aktuellen Fernsehserien sowie deren gemeinschaftsstiftenden Funktionen.