Bereits Jean Piaget erkannte im Ansatz, dass in der Entwicklungspsychologie der Schlüssel zum Verständnis der Weltgeschichte liegt. Er beschrieb, dass Erwachsene vormoderner Kulturen auf Stufen stehen, die in der modernen Kultur nur Kinder charakterisieren. Georg W. Oesterdiekhoff weist diese Zusammenhänge nun systematisch nach und vertieft sie. Das von ihm entwickelte strukturgenetische Theorieprogramm zeigt, dass die Stufentheorie
das hervorragendste Instrument zur Beschreibung von Menschen unterschiedlicher Kulturen und im Verlaufe der Geschichte ist
die grundlegendste Beschreibung der psychologischen Entwicklung der Menschheit liefert, da es unterhalb der Stadienstrukturen Kleinkind – Kind – Jugendlicher keine tiefergelagerten psychologischen Phänomene gibt
die grundlegendste Beschreibung der Weltgeschichte von Kultur, Politik, Recht, Wissenschaft, Moral, Religion und Kunst darstellt, da deren Verlauf eine Manifestation der Stadiensequenz ist
die grundlegendste Theorie innerhalb jeder einzelnen human- und sozialwissenschaftlichen Disziplin ist oder sein sollte, da alle diese Disziplinen von der Erkenntnis der Psychogenese abhängen und auf eine Theorie der Menschen angewiesen sind
eine Theorie ist, die alle Geistes- und Sozialwissenschaften unter einem Dach vereinigt und ihnen eine gemeinsame Theoriegrundlage verleiht
Das strukturgenetische Theorieprogramm holt die Genfer Schule von Jean Piaget aus der Enge der Kinderpsychologie und verwandelt sie in die Grundlagentheorie der Humanwissenschaften. Es ist die bedeutendste Weiterentwicklung der Genfer Schule, die Verwirklichung der eigentlichen Forschungsabsichten von Jean Piaget.
Georg W. Oesterdiekhoff hat Soziologie, Geschichte und Philosophie studiert. Er vertrat den Lehrstuhl für soziologische Theorie an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Aachen. Außerdem hatte er eine Gastprofessur am historischen Institut der Universidad Nacional de Colombia in Santafé de Bogotá inne.