Über den Ausschuss

Partizipation und Barrierefreiheit – Begriffe, Ziele und Anliegen des DGS-Ausschusses

Tobias Boll, Matthias Otten, Miklas Schulz, Anne Waldschmidt

Die Begriffe Partizipation und Barrierefreiheit verweisen auf unterschiedliche Aspekte sozialer Ausschließung und zeigen zugleich Möglichkeiten ihrer Überwindung und Beseitigung an. Solche Ausschließungen betreffen Individuen oder Gruppen dann, wenn strukturelle, materielle und institutionelle, interaktive und kommunikative, kurz, gesellschaftliche Bedingungen die Möglichkeiten der gleichberechtigten Teilhabe an Gesellschaft und Kultur be- und verhindern.

Ziel und Anliegen des DGS-Ausschusses Partizipation und Barrierefreiheit ist es, Impulse und Anregungen zu liefern, die gewährleisten, dass unterschiedlichen Gruppen und Personen die umfassende Teilhabe an der DGS möglich ist. Dabei gehen wir von einem umfassenden Verständnis der beiden zentralen Begriffe aus. Barrierefreiheit bezieht sich auf physisch-materielle, symbolische oder soziale Umstände und Strukturen, die für eine gleichberechtigte Teilhabe erforderlich sind. Partizipation betrifft die Praxis der Teilhabe, meint also ein inklusionsorientiertes (inklusives) soziales Handeln, mit dem die aktive Teilhabe situativ und kontinuierlich ausgeübt wird. Insofern ist Barrierefreiheit eine notwendige Voraussetzung für Partizipation. Im DGS-Ausschuss wollen wir der Vielschichtigkeit von Partizipation und Barrierefreiheit gerecht werden, indem wir unterschiedliche Dimensionen und Perspektiven berücksichtigen.

Erstens: Wir gehen nicht davon aus, dass Barrierefreiheit ein final erreichbarer Zustand darstellt. Vielmehr verstehen wir sie als einen Anspruch und kontinuierlichen Prozess der Identifikation und Reduktion von (möglichen) Barrieren. Dies gründet sich nicht zuletzt auf der Tatsache, dass menschliche Einschränkungen divers und die daraus resultierenden Bedürfnisse widerstreitend sein können: Was für eine Gruppe oder ein Individuum eine Barriere darstellt, kann für andere eine Erleichterung bedeuten. Die zugrundeliegende Leitfragen lauten daher: Was hindert oder ermöglicht es Menschen, an Veranstaltungen, Gremien, Entscheidungsprozessen, Kommunikationsformaten etc. teilzunehmen? Wie können vorhandene Barrieren situationsbezogen und dauerhaft abgebaut oder in ihren ausschließenden Effekten minimiert werden? Welche Intersektionen existieren situationsbezogen und/oder gruppenspezifisch?

Sowohl materielle Umstände als auch symbolische Dimensionen spielen dabei eine zentrale Rolle. Wenn Barrieren identifiziert, benannt und thematisiert werden, bedarf es weiterer Verständigungen darüber, ob es legitime bzw. zwingende Gründe gibt, an möglicherweise exkludierenden strukturellen Vorbedingungen festzuhalten. Mit dem Anliegen der Barrierefreiheit sind somit immer auch begründete Abwägungen zu treffen und diese transparent zu kommunizieren.

Zweitens: Partizipation begreifen wir ebenfalls als Anspruch und zugleich als eine Praxis, die das Ziel verfolgt, für möglichst alle Menschen vielfältige Mitgliedschaft zu gewährleisten. Mitgliedschaft gliedert sich in mindestens drei relevante Dimensionen:

  1. Dabeisein (formal Mitglied sein können, über die Ziele und Aktivitäten der DGS informiert sein und werden, zu Veranstaltungen prinzipiell Zugang haben)
  2. Mitmachen (an den Aktivitäten der DGS aktiv teilnehmen, mitreden können und Aktivitäten mitgestalten können) und
  3. Mitentscheiden (über die Ziele und die›Spielregeln‹der DGS mit bestimmen und entscheiden können).

Auch im Hinblick auf die Leitidee der Partizipation ist nach den Voraussetzungen und Konditionen von Partizipation zu fragen. Dabei sind diese Konditionen macht- und herrschaftskritisch zu reflektieren und ihrerseits in einem partizipativen Prozess auszuhandeln.