Eine Reaktionsmaschine produziert Falschnachrichten, schürt Hass und bringt Menschen dazu, einander öffentlich anzugreifen und zu beleidigen. Unübersehbar haben sich soziale Medien bis in die hintersten Ecken unseres Lebens ausgebreitet und suggerieren dem Einzelnen eine unmittelbare Handlungsmacht, die sich als trügerisch erweist. Sie strukturieren Informationsflüsse, ordnen Aufmerksamkeit und tragen zur Ausbildung einer hochreaktiven Öffentlichkeit bei. Anlässlich der Publikation seines neuen Buches Reaktionsmaschine. Tribunale sozialer Medien diskutieren Rupert Gaderer und Hanna Engelmeier anhand von literarischen Texten, Theaterarbeiten und essayistischen Interventionen, aber auch an Gerichtsprozessen, Ratgebern und Shitstorm-Simulationen, wie digitale Konflikte ästhetisch reflektiert, reproduziert oder kritisiert werden: in Beobachtungsprotokollen an der Grenze zur Paranoia, in Angriffen und Gegenangriffen von Hatern und Trollen, in poetischen Formen digitaler Beleidigung, in Hassreden auf der Bühne und in Analysen rechter Ideologien. Diese Streitwelten prägen politische Wahrnehmungen, öffentliche Debatten und demokratische Aushandlungsprozesse. Sie sind zum Krisensymptom unserer Zeit geworden – und bilden den Ausgangspunkt dieser präzisen Zeitdiagnose.
Eine Veranstaltung im Rahmen des Jahresthemas 206/27 ›Rote Linien‹ und in Kooperation mit dem SFB 1567 ›Virtuelle Lebenswelten‹ sowie dem Germanistischen Institut der Ruhr-Universität Bochum.