Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie trauert um Matthias Koenig, der am 12. Januar 2026 im Alter von 54 Jahren nach langer und schwerer Krankheit verstorben ist. Sein viel zu kurzes Leben war gefüllt von einer außergewöhnlichen Schaffenskraft, die sowohl die soziologische Forschung in den Themenfeldern Menschenrechte, Religion und Migration als auch im Bereich der soziologischen Theorie umfassend geprägt hat. Matthias Koenig hat Menschen vernetzt und im Laufe der Jahre so ein beeindruckendes internationales Netzwerk geschaffen, das sicher auch über seinen Tod hinaus wachsen und bestehen und auf Koenigs Arbeiten zurückgehende soziologische Impulse geben wird.
Von 1991 bis 1997 studierte Matthias Koenig Soziologie, evangelische Theologie und Religionswissenschaften an den Universitäten Hamburg und Princeton und war anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Marburg und Bamberg. Promoviert bei Dirk Kaesler und habilitiert bei Richard Münch legte Matthias Koenig großen Wert auf empirische Forschung, die er kenntnisreich und klug in der soziologischen Theorie verankerte. Anschließend hat Matthias Koenig 15 Jahre (2006-2020) die Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Religionssoziologie an der Georg-August-Universität Göttingen ausgefüllt. 2018 holte er den DGS-Kongress›Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen‹nach Göttingen. Dort war er darüber hinaus 2011 als Fellow an das Max Planck Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften berufen, mit dem er mehr als eine Dekade aktiv verbunden war.
In dieser Phase entwickelte er ein umfassendes Programm zur Erforschung der Ursachen und historischen Entwicklung der Regulierungen kultureller Vielfalt, deren verfassungsrechtlichen Ausdrucksformen und Folgen für Migrations- und Integrationsprozesse. Die Verknüpfung des Interesses am historischen Wandel von Staatlichkeit mit modernen Vorstellungen von Minderheitenrechten und Vielfalt hat die Soziologie nachhaltig geprägt.
Seit 2020 hatte Matthias Koenig die Professur für Empirische Makrosoziologie am Max-Weber-Institut für Soziologie der Universität Heidelberg inne. In dieser Zeit hat Matthias Koenig zudem der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über eine vierjährige Amtszeit als Vizepräsident gedient und wurde in den Sachverständigenrat für Integration und Migration der Bundesregierung berufen. Dank seines Netzwerks, das unter anderem in die USA und nach Frankreich reichte, verhalf Matthias Koenig der deutschen Soziologie auch zu internationaler Sichtbarkeit. Zudem stand Matthias Koenig (nicht nur als Mitherausgeber der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie) jüngeren wie etablierten Kolleg:innen als Diskussionspartner für die schwierige Verknüpfungen von Empirie und Theorie zur Verfügung. Vielen von uns wird Matthias zeitlebens als Diskussionspartner, Kollege, Freund, Mentor und Soziologe fehlen. Unser besonderes Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen drei Kindern.
Marian Burchardt und Ines Michalowski
