Online-Vortragsreihe

Jugend als Zeit- und gesellschaftsdiagnostisches Phänomen. Entwicklungen und Perspektiven der Jugendforschung.

Jugend ist in ihrer soziohistorischen Verfasstheit einerseits ein Produkt gesellschaftlicher Modernisierungs- und Transformationsprozesse zu denen sich Jugendliche verhalten müssen. Jugend als Lebens(alters)phase oder jugendkulturelle Formation evoziert öffentlich-mediale sowie wissenschaftliche Jugendbilder: Als Generationengestalt, Pionier des digitalen oder Seismograph gesellschaftlichen Wandels lässt sie deutlicher verstehen, welche Konsequenzen Modernisierungen und Transformationen mit sich führen, wie sich diese in individuellen Lebensentwürfen und im Alltagshandeln niederschlagen. Jugendliche sind andererseits auch Produzenten sozialen Wandels, die gesellschaftliche Zustände begreifen, sich selbst darin entwerfen, ›neue‹ Umgangsweisen mit den alltags- und lebensweltlichen Handlungsproblemen in der zweiten Moderne erproben, darüber soziale Probleme artikulieren und mitverhandeln, und die sich dabei zusammenfinden, kollaborieren, sich vergemeinschaften, Konflikte moderieren und austragen. Immer wieder galt Jugend als soziale und kulturelle Avantgarde, die gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen Impulse zu geben vermochte. Jugend ist dergestalt auch Laboratorium der Moderne, in dem gesellschaftliche Diskurse und Herausforderungen verhandelt werden. Es scheint aber kaum beachtet, wie weitreichend der Einfluss Jugendlicher bzw. was mitunter das spezifisch Jugendliche einflussreicher junger Akteur*innen ist und wie diese neue Praktiken hervorbringen, stabilisieren und wie sie in gesellschaftliche Teilbereiche hineinwirken. In diesem Sinne stellt sich die Frage, inwieweit Jugend als zeit- und gesellschafts-diagnostisches Phänomen begriffen und konzeptionalisiert werden kann.

In der Online-Vortragsreihe präsentieren Jugendforscher*innen theoretische und disziplinbezogene Perspektiven auf Jugend, stellen methodologische Forschungszugänge vor und geben einen Einblick in die empirische Forschung zu Jugend, reflektieren Diagnosen, Diskurse und Herausforderungen und diskutieren mit der Fachöffentlichkeit ihre Perspektive auf die Forschung zu Jugend.

Programm Session I

Dienstags, 18.00 - 19.45 Uhr, via Zoom: https://uni-koeln.zoom.us/j/95967447235pwd=eGUvZXNJOHNqZkdFVEsrdXUyUEkzZz09.

13.04.2021. Historischer Rückblick & aktueller Überblick

Im Gespräch Heinz-Hermann Krüger (Halle), Andreas Lange (Weingarten) & Dagmar Hoffmann (Siegen)

27.04.2021. Jugend und Soziologie

Albert Scherr (Freiburg)

11.05.2021. Jugend und Psychologie

Albert Düggeli (Muttenz)

01.06.2021. Jugend und Pädagogik

Jutta Ecarius (Köln)

15.06.2021. Kulturwissenschaften und Jugend

Moritz Ege (Göttingen)

29.06.2021. Geschichte und Jugend

Bodo Mrozek (Berlin)

13.07.2021. Jugend - ein Konzert der Disziplinen

Günter Mey (Magdeburg-Stendal)