Portrait und aktuelle Veranstaltungen
Herzlich willkommen auf der Website der Sektion Kultursoziologie!
Unter Kultursoziologie verstehen wir eine soziologische Perspektive, der es um die kulturellen Aspekte des sozialen Lebens geht. Dabei gehen wir davon aus, dass soziale Phänomene – wie etwa Handeln und Routinen, Gewalt, Macht und Herrschaft, soziale Ungleichheit, Klassen und Milieus oder sprachlicher und gesellschaftlicher Wandel – immer auch kulturell geprägt (›codiert‹) sind. Der Begriff der Kultur verweist damit nicht nur auf eine eigene Sphäre der Gesellschaft (den ›Bereich der Kultur‹), sondern zielt auch auf die ›kulturellen Grundlagen der Gesellschaft‹ (Friedrich Tenbruck). In diesem Sinne besitzt Kultursoziologie eine Doppelstruktur, der wir in der Sektion nachzugehen versuchen: Sie ist einerseits Soziologie der Kultur und andererseits Kulturtheorie des Sozialen.
Kultursoziologie geht für uns demnach nicht in einer empirischen Analyse einzelner kultureller Phänomene (Literatur, Musik, Film, Kunst, Religion, Architektur, Tanz etc.) auf. Stattdessen verstehen wir sie auch als (kultur-)soziologische Theorieperspektive, die klassische sozial- und gesellschaftstheoretische Fragen bearbeitet und die diskutiert, was Gesellschaft eigentlich ›ist‹, wie sie sich konstituiert, welche Elemente dabei eine Rolle spielen und in welcher Gesellschaft wir aktuell leben.
In empirischer Hinsicht interessierte sich die Kultursoziologie zunächst vor allem für die verschiedenen Bereiche der ›Hochkultur‹, wobei hier besonders die immaterielle Kultur im Zentrum stand (Literatur, Musik, Theater etc.). Erst in den letzten Jahrzehnten gerieten stärker auch Phänomene der Massen- und Populärkultur sowie – insbesondere im Kontext des Cultural Turns – Bilder, Artefakte, körperliche Praktiken, Medialitäten, Affekte und vieles mehr in den Blick. Durch diese Erweiterung der Kultursoziologie ergaben sich nicht zuletzt auch neue interdisziplinäre Anschlüsse: Während zur Gründungszeit der Sektion zunächst die klassischen Geisteswissenschaften und die Geschichtswissenschaft prägend waren, spielen mittlerweile auch die jüngeren Kulturwissenschaften, die zahlreichen Studies und weitere Disziplinen und Forschungsrichtungen eine wichtige Rolle – von der Anthropologie bis zur Wissenschaftsforschung und von der Ökologie bis zu den Medienwissenschaften.
Die Veranstaltungen der Sektion versuchen, diesem spannungs- und facettenreichen Kulturbegriff gerecht zu werden, ihn produktiv aufzunehmen und die darin enthaltenen Problem- und Fragestellungen zwischen Theorie und Empirie konstruktiv zu diskutieren. Die Sektion steht für eine Kultursoziologie, die theorieinteressiert ist, aber phänomenorientiert bleibt.
Veranstaltungen in 2026
- 26/27.02.2026, "Grenzsoziologie revisited".Gegenstandsbereiche, empirische Einsichten und theoretische Fundierungen, KWI Essen /Frühjahrstagung der Sektion
- 19./20.06.2026, Soziale Unordnung, Transindividualität, Volk-Werden: Sozialtheorie bei Georgs Canguilhem, Gilbert Simondon und Gilles Deleuze, Uni Regensburg, unterstützt von der Sektion
- 25.-27.06.2026, Kunst – Ausstellung – Diskurs. Kunst und theoretischer Diskurs auf der documenta und anderen Bühnen der Gegenwartskunst, Veranstaltung der Sektion zusammen mit dem documenta Institut (Kassel), Fridericianum, Kassel
Sektionsveranstaltungen auf dem DGS-Kongress ›Zukünfte der Gesellschaft‹, Universität Mainz, 28.09.-02.10.26
- Di 14-17 Uhr: Kultursoziologische Perspektiven auf Ästhetiken des Zukünftigen, org. von Oliver Berli und Uta Karsten (Philosophicum, Raum P7)
- Di 17 Uhr: Mitgliederversammlung (Philosophicum, Raum P7):
- Di 18 Uhr: Sektionsempfang (Philosophicum, Raum P7)
- Mi 14-17 Uhr: Zukunft vom Ende her denken - Kultursoziologische Zugänge zur Apokalyptik, org. von Ulrich Bröckling, Lars Gertenbach und Christine Hentschel (Philosophicum, Raum P7)